Longevity:
Hallmarks of Aging
Die Hallmarks of Aging beschreiben die zentralen biologischen Mechanismen, die dem Altern zugrunde liegen.
Mitochondriale Dysfunktion
Mitochondriale Dysfunktion spielt eine zentrale Rolle im Alterungsprozess und zeigt sich durch verschiedene verschlechternde Funktionen der Mitochondrien. Diese „Kraftwerke der Zelle“ sind nicht nur für die Energieproduktion verantwortlich, sondern beeinflussen auch Entzündungsprozesse, Zellalterung und Stoffwechselvorgänge.
Im älteren Organismus sind die Mitochondrien geschädigt und können einerseits daher weniger ATP (Energieträger) produzieren, was zu typischen Symptomen wie chronischer Müdigkeit, Muskelschwäche und Erschöpfung nach körperlicher Aktivität führen kann. Gleichzeitig werden vermehrt freie Radikale dieser geschädigten Mitochondrien freigesetzt, die wiederum sämtliche Zellstrukturen schädigen. Folgen sind beschleunigte Hautalterung, Nervenschäden (kognitive Beeinträchtigungen, Konzentrationsschwäche) und ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen. Auch der gesamte Energiestoffwechsel des älteren Menschen wird dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Diabetes, Fettleibigkeit und Leberschäden können entstehen.
Zusätzlich begünstigen geschädigte Mitochondrien die Entstehung sogenannter seneszenter Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber entzündungsfördernde Botenstoffe ausschütten. Diese chronischen Entzündungsprozesse tragen weiter zum Altern und zur Entstehung altersbedingter Erkrankungen bei.
Zelluläre Seneszenz
Im Alter sammeln sich seneszente Zellen in verschiedenen Geweben und Organen an, die als „Zombiezellen“ nicht mehr funktionsfähig sind, gleichzeitig aber durch ihre fehlerhafte Stoffwechselaktivität massive Schäden verursachen. Diese Zellen entstehen durch DNA-Schäden, oxidativen Stress oder verkürzte Telomere und setzen entzündungsfördernde Botenstoffe (z. B. IL-6, TNF-α) sowie gewebeabbauende Enzyme frei. Die Folgen zeigen sich in verschiedenen Schlüsselbereichen.
Fett- und Zuckerstoffwechsel, Muskelabbau, Leberschäden bis hin zur Leberzirrhose, Nierenschäden mit Störung der Blutdruckregulation entstehen. Auch das Herz und Immunsystem werden durch diese chronischen Entzündungsprozesse geschädigt. Dies führt letztlich zu einem Teufelskreis – je mehr Seneszenz, desto weniger werden diese gealterten, schädlichen Zellen beseitigt.
Chronische Entzündungen
Im Alter nehmen stille, niedriggradige Entzündungsprozesse im Körper zu – ein Phänomen, das häufig durch seneszente Zellen ausgelöst wird. Diese setzen entzündungsfördernde Botenstoffe frei, die die Zellkommunikation stören und die Ausschüttung wichtiger Hormone hemmen – etwa für die Erhaltung von Knochendichte, Muskelkraft oder Hautstruktur. Die Folge: eine dauerhafte Überlastung der Organsysteme, verringerte Belastbarkeit und ein erhöhtes Risiko für altersbedingte Erkrankungen.
Stammzellfunktion und Regeneration
Stammzellen bilden die Grundlage für die kontinuierliche Erneuerung und Reparatur von Geweben und Organen. Mit zunehmendem Alter nimmt sowohl ihre Anzahl als auch ihre regenerative Kapazität deutlich ab – ein Prozess, der als Stammzellenerschöpfung bezeichnet wird. Die Folge ist eine nachlassende Regenerationsfähigkeit des Körpers, die sich unter anderem in chronischer Erschöpfung, beschleunigter Hautalterung und einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen äußern kann.
Veränderte interzelluläre Kommunikation
Ein reibungsloser Informationsaustausch zwischen Zellen ist essenziell für die Aufrechterhaltung gesunder Körperfunktionen. Im Alter jedoch kommt es zunehmend zu Störungen in dieser interzellulären Kommunikation. Dies kann die Ausschüttung von Botenstoffen, den Zellstoffwechsel und die Immunantwort beeinträchtigen. Im weiteren Verlauf begünstigen solche Dysbalancen unter anderem chronische Entzündungen, eine Schwächung der Abwehrkräfte und im Extremfall auch unkontrolliertes Zellwachstum – ein möglicher Risikofaktor für Tumorentstehung.
Dysbiose des Mikrobioms
Das menschliche Mikrobiom – ein komplexes Zusammenspiel aus Milliarden von Mikroorganismen im Darm, auf der Haut und an anderen Körperstellen – verändert sich mit dem Alter. Wird dieses natürliche Gleichgewicht zum Beispiel durch den Alterungsprozess gestört, spricht man von Dysbiose. Sie kann stille Entzündungen fördern, die Barrierefunktion des Darms schwächen und das Risiko für eine Vielzahl chronischer Erkrankungen erhöhen.
Genomische Instabilität
Im Laufe des Lebens kommt es zunehmend zu Veränderungen im Erbgut – etwa durch Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung, Schadstoffe oder oxidativen Stress. Diese genomische Instabilität kann die Zellteilung beeinträchtigen und gilt als eine zentrale Grundlage altersbedingter Funktionsverluste. Langfristig kann sie mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Erkrankungen – etwa Tumorbildung oder neurodegenerative Prozesse – in Verbindung stehen.
Telomerverkürzung
Telomere sind die Schutzkappen an den Enden unserer Chromosomen. Sie verkürzen sich bei jeder Zellteilung – ein natürlicher Prozess, der mit zunehmendem Alter fortschreitet. Sind die Telomere stark verkürzt, sinkt die Teilungsfähigkeit der Zellen, was die Regeneration beeinträchtigen kann. Eine beschleunigte Telomerverkürzung wird mit verschiedenen altersbedingten Veränderungen in Verbindung gebracht – etwa einer nachlassenden Gewebeelastizität oder eingeschränkter Organfunktion.
Epigenetische Veränderungen
Epigenetik beschreibt die Regulation der Genaktivität – also, welche Gene „an“ oder „aus“ geschaltet sind –, ohne dass sich die DNA-Sequenz selbst verändert. Mit zunehmendem Alter gerät diese feine Steuerung aus dem Gleichgewicht. Das kann dazu führen, dass Zellen ihre ursprüngliche Funktion nicht mehr zuverlässig ausführen – mit möglichen Auswirkungen auf Regeneration, Stoffwechsel oder Immunreaktionen. Epigenetische Veränderungen gelten daher als zentrales Merkmal des biologischen Alterns und spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung moderner Präventionsstrategien.
Verlust der Proteostase
Proteostase beschreibt den natürlichen Mechanismus, mit dem der Körper die Qualität und das Gleichgewicht seiner Proteine aufrechterhält. Mit zunehmendem Alter kann dieses System aus dem Takt geraten – etwa durch genetische Einflüsse, Umweltfaktoren oder Nährstoffmangel. Nicht mehr funktionsfähige Proteine werden dann unzureichend abgebaut und können sich in Zellen anreichern. Das kann die Zellfunktion beeinträchtigen und wird mit altersbedingten Erkrankungen – insbesondere im neurologischen Bereich – in Verbindung gebracht.
Gestörte Makroautophagie
Die Makroautophagie ist ein essenzieller zellulärer Prozess: Sie dient der Entfernung und Wiederverwertung beschädigter oder nicht mehr benötigter Zellbestandteile. Als eine Art körpereigene „Qualitätskontrolle“ trägt sie zur Erhaltung der Zellfunktion und Energieversorgung bei. Mit zunehmendem Alter kann diese Fähigkeit nachlassen – was unter anderem mit der Entstehung chronischer und neurodegenerativer Erkrankungen in Verbindung gebracht wird.
Veränderte Nährstoffsensitivität
Im Alter kann die Fähigkeit des Körpers, Nährstoffe aus der Nahrung optimal aufzunehmen und zu verwerten, nachlassen. Dies betrifft sowohl die Regulation des Energiehaushalts als auch die Versorgung mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen. Mögliche Folgen sind Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden, Leistungseinbußen oder schleichende Mangelzustände – selbst bei grundsätzlich ausgewogener Ernährung.
Quelle: (5) Lange A, Eckardt A. Injektionsverfahren an der Lendenwirbelsäule. In: Eckardt A, (Hrsg). Praxis LWS-Erkrankungen. Diagnose und Therapie. Berlin: Springer Verlag, 2011:186–242

































